Wochenbettdepression bei Vätern
Noch zu wenig bekannt ist die Tatsache, dass auch Väter unter einer Wochenbettdepression leiden können. Auch wenn sie körperlich viel weniger involviert sind (Schwangerschaft, Geburt und Stillen kann die Frau nicht delegieren), gibt es auch bei Männern rund um die Geburt hormonelle Veränderungen. So fühlen auch sie sich verantwortlich für ihr neugeborenes Kind. Es wird von ihnen erwartet, für die Partnerin im Wochenbett und natürlich darüber hinaus da zu sein. Oft tragen Väter mehr der finanziellen Last, solange die Frau sich mehr um die Kinder kümmert. Diese Belastungen können in manchen Fällen zu einer Depression nach der Geburt führen. Diese kann auch erst später neu auftauchen, meist zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat des Babys. Der größte Risikofaktor ist, wenn auch die Partnerin an einer Wochenbettdepression leidet. Nach Studien betrifft es ca. 10 % der Väter, die Dunkelziffer ist sicher höher.
Eine Depression bei Vätern äußert sich oft anders als bei Müttern, z.B. mit Wut, Reizbarkeit oder auch vermehrten Aktivitäten außer Haus. Dies kann Mehrarbeit im Beruf oder mehr sportliche Aktivität sein. Leider zeigen auch mehr betroffene Männer zu größerem Konsum von Tätigkeiten oder Substanzen mit Suchtfaktor (Alkohol, Gaming, Cannabis etc.).
Männer sprechen seltener offen über ihre Gefühle und es fällt ihnen schwerer, Hilfe anzunehmen. Auch die Berührungspunkte zu Fachpersonal sind seltener. So wird die postpartale Depression bei Vätern seltener diagnostiziert. Hier spielt die Tabuisierung sicher auch eine Rolle.
Eine Belastung durch eine unerkannte Depression ist für Betroffenen schon schwierig genug, aber bei einer unbehandelten Depressivität des Vaters steigt das Risiko auf ungünstige Auswirkungen auf die gesamte Familie. Somit sollte in der Behandlung einer postpartalen Depression, neben der psychotherapeutischen Einzelbegleitung und der Möglichkeit der medikamentösen Unterstützung, beide Elternteile mit einbezogen werden und Möglichkeiten für die Entlastung im Alltag und dem Umgang mit dem Baby gesucht werden.
Ansprechpartner könnten sein: Hausärzte, Hebammen, Schwangerenberatungsstellen, Koki-Fachstellen, psychologische Beratungsstellen, sozialpsychiatrischer Dienst