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ADHS - Erscheinungsformen einer Aufmerksamkeitsstörung

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neuroentwicklungsbedingte Störung, die sich in unterschiedlichen Erscheinungsformen zeigen kann. In der Fachwelt wird heute nicht mehr zwischen ADHS und ADS als getrennten Diagnosen unterschieden. Der Begriff „ADS“ wird umgangssprachlich weiterhin verwendet, bezeichnet jedoch offiziell ADHS mit vorwiegend unaufmerksamer Ausprägung.

Man unterscheidet drei Erscheinungsformen von ADHS:

ADHS mit vorwiegend hyperaktiv-impulsivem Erscheinungsbild

Kinder mit dieser Form zeigen eine ausgeprägte motorische Unruhe und Impulsivität. Sie sind ständig in Bewegung, haben Schwierigkeiten, still zu sitzen, abzuwarten oder Handlungen zu kontrollieren. Umgangssprachlich werden sie häufig als „Zappelphilipp“ bezeichnet.

ADHS mit vorwiegend unaufmerksamen Erscheinungsbild (früher „ADS“)

Diese Kinder wirken eher ruhig, verträumt oder zurückgezogen. Sie schweifen gedanklich ab, lassen sich leicht ablenken und haben Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit über längere Zeit aufrechtzuerhalten. Trotz äußerlicher Ruhe sind sie innerlich oft stark gefordert.

ADHS mit kombiniertem Erscheinungsbild

Bei dieser häufigen Form treten sowohl ausgeprägte Unaufmerksamkeit als auch hyperaktive und impulsive Verhaltensweisen auf.

Alle Erscheinungsformen können für das Umfeld herausfordernd sein – sei es durch ständige Unruhe, impulsives Verhalten oder durch scheinbare Abwesenheit. Häufig kommen emotionale Ausbrüche hinzu, die das familiäre und soziale Zusammenleben belasten können.

Wie erleben die Kinder ihre Situation?

Kinder mit ADHS leiden häufig selbst stark unter ihren Schwierigkeiten. Viele erleben eine permanente Reizüberflutung, haben Probleme mit der Selbstregulation und empfinden ihre Impulsivität oder Unaufmerksamkeit als belastend. Besonders in Situationen von Frustration – etwa bei schulischen Anforderungen oder im sozialen Miteinander – können starke emotionale Reaktionen auftreten.

Die Reaktionen der Umwelt werden von den Kindern oft als ungerecht erlebt. Viele fühlen sich missverstanden, kritisiert oder ausgegrenzt – in der Familie, im Kindergarten oder in der Schule. Das Selbstwertgefühl kann darunter erheblich leiden. Gleichzeitig besteht ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung und Zugehörigkeit, das nicht immer auf sozial akzeptierte Weise zum Ausdruck gebracht werden kann.

Was ist zu tun?

Bei Verdacht auf ADHS ist eine fachlich fundierte Abklärung sinnvoll. Diese kann durch Fachärztinnen für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie oder durch entsprechend spezialisierte klinische Psychologinnen erfolgen.

Aktuelle Leitlinien empfehlen multimodale Behandlungskonzepte, die individuell auf das Kind und sein Umfeld abgestimmt werden. Dazu gehören:

  • Elternberatung und Elterntraining

  • Pädagogische und schulische Unterstützung

  • Psychotherapeutische Begleitung (z. B. Verhaltenstherapie)

  • Gegebenenfalls eine medikamentöse Behandlung (z. B. mit Stimulanzien wie Methylphenidat oder anderen zugelassenen Medikamenten)

Die Unterstützung der Eltern ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Sie strukturieren den Alltag, geben Orientierung und bieten emotionale Sicherheit. Gleichzeitig benötigen auch Eltern Entlastung, Information und Begleitung.

Das Angebot der Beratungsstelle

Bereits im Kindergartenalter zeigen viele Kinder erste Auffälligkeiten. Eine frühzeitige Unterstützung sowie die Zusammenarbeit von Eltern, pädagogischen Fachkräften und Beratungsstellen können helfen, wichtige Grundlagen in den Bereichen Impulskontrolle, Emotionsregulation und soziales Verhalten zu fördern.

Mit dem Schuleintritt steigen die Anforderungen deutlich: Konzentration, Ausdauer, Selbstorganisation und Regelverständnis werden zunehmend gefordert. Kinder mit ADHS stoßen hier oft an ihre Grenzen.

Eltern- und Familienberatung

In einem ausführlichen Erstgespräch werden die Entwicklung des Kindes und die Familiensituation gemeinsam betrachtet. Durch Gespräche, spielerische oder kreative Methoden erhalten wir Einblick in die Gefühlswelt des Kindes – seine Sorgen, Wut, Stärken und Bedürfnisse.

Darauf aufbauend wird gemeinsam analysiert, wie sich das Verhalten des Kindes im Familienalltag auswirkt. Typische Konfliktmuster und emotionale Verstrickungen werden sichtbar gemacht und neue Handlungsmöglichkeiten entwickelt.

Ziel ist es, Eltern darin zu stärken, auch in herausfordernden Situationen ruhig, klar und konsequent zu bleiben. Kinder mit ADHS benötigen verlässliche, strukturierende Erwachsene, die ihnen Orientierung geben und ein positives Modell im Umgang mit Emotionen und Konflikten bieten.

Veränderung ist ein Prozess, der Zeit, Geduld und kontinuierliche Begleitung braucht. Dabei werden individuelle Lösungen entwickelt, die zur jeweiligen Familie passen.

Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Im Jugendalter wächst häufig das Bewusstsein für die eigenen Herausforderungen. Viele Jugendliche und junge Erwachsene mit ADHS möchten lernen, besser mit Impulsivität, Aufschiebeverhalten, Organisationsproblemen oder emotionaler Instabilität umzugehen.

Gemeinsam werden individuelle Strategien zur Alltagsbewältigung, Selbstorganisation und Emotionsregulation erarbeitet. Eine kontinuierliche Begleitung durch eine vertraute Fachperson kann dabei entscheidend zum Erfolg beitragen.

Mit Einverständnis der Betroffenen und entsprechender Schweigepflichtentbindung ist auch der Austausch mit Schule, Ausbildungseinrichtungen oder weiteren Fachpersonen möglich, um ein abgestimmtes und unterstützendes Vorgehen zu gewährleisten.

Stand: Januar 2026

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